Studienreise 2019 „Selbstvergewisserung zu Auschwitz“

„Auschwitz war tatsächlich ein sehr wichtiger Schauplatz des Holocaust: Einer von sechs ermordeten Juden starb hier. Doch obwohl die Todesfabrik in Auschwitz-Birkenau die letzte arbeitende Vernichtungsanlage war, stand sie nicht auf der Höhe der Technologie des Todes“, merkt Timothy Snyder in seiner Studie „Bloodlands“ an. „Die effizientesten Erschießungskommandos töteten schneller, die Hungerlager töteten schneller, und Treblinka tötete schneller. Die meisten sowjetischen und polnischen Juden unter deutscher Besatzung waren bereits tot, als Auschwitz zur größten Todesfabrik wurde. Als der Gaskammer-und Krematorienkomplex in Birkenau im Frühjahr 1943 die Arbeit aufnahm, waren über drei Viertel der im Holocaust ermordeten Juden bereits tot.“[1]

Die Ermordung von Millionen europäischer Jüdinnen und Juden ist und bleibt ein einmaliges Verbrechen. Der Tatort des deutschen  Nationalsozialismus in Auschwitz mit seiner „Mischung aus industriellem Lagerkomplex und Vernichtungsanlage“ (Hannah Arendt)[2]straft mit seiner Beweiskraft das neurechte Geschwätz führender Politiker von „AfD“ und ihr verbundenen Kräften gegen die in langem Ringen erreichte bundesdeutsche  Erinnerungs- und Geschichtspolitik Lügen. Mit im europäischen Vergleich geringen finanziellen Mitteln hat die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau einen aufklärenden, würdigen und berührenden Ort der Erinnerung erhalten können.

Natürlich wird durch einen Besuch das Unbegreifliche nicht begreiflich, aber er bietet eine gute Chance, sich selbst zu vergewissern. Da es auch für Erwachsenen nicht leicht ist, das allein zu tun, lädt die Kurt und Herma Römer Stiftung – neben besonderen Angeboten für Gruppen – jährlich öffentlich zu einer Studienreise (zum Selbstkostenpreis) nach Krakau und Oșwiecim ein (dem polnischen Ort, an dem sich „Auschwitz“ findet).

In Krakau folgt die Reise Spuren des Lebens und Alltags jüdischer Menschen vor dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf Polen, ihrer folgenden Ghettoisierung und Deportation in die Vernichtung. Während des zweitägigen Aufenthaltes in der Gedenkstätte in Oșwiecim geht es zunächst um die Dimension und industrielle Organisation der Massenmorde in Birkenau und danach im sogenannten Stammlager um Dokumente und Beweise zu den vorsätzlich begangenen Verbrechen des deutschen Nationalsozialismus.

Dieses selbstorganisierte Angebot hat seit über zwanzig Jahren mit dem aktuellen Stand der Geschichtswissenschaft entwickelt und wendet sich in erster Linie an erwachsene, politisch interessierte Menschen, die eine „sichere Gruppe“ mit humanistischen Resonanzboden bevorzugen.

Zur Vorbereitung der Reise erhalten die Teilnehmer*innen eine Auswahl von Texten und Dokumenten zum Hintergrund der besuchten Orte sowie das Buch von Sybille Steinbacher, Auschwitz, Geschichte und Nachgeschichte, München 2004.

Abreiseorte sind Hamburg, Berlin und Frankfurt/Main. Vorbereitungstreffen finden in Hamburg und Frankfurt/Main statt. (Wenn sich drei und mehr Personen aus einem Ort anmelden, die Vorbereitung dort gesondert zu einem frei vereinbarten Termin erfolgen.)

Telefon: 0800 7872854 (kostenfrei) oder 06433 9494119 (Christoph Speier)
E-Mail: kontakt@kurt-und-herma-roemer-stiftung.de

[1]Timothy Snyder, Bloodlands, Europa zwischen Hitler und Stalin, München 2014, Seite 384

[2]Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft, München 1986 (zuerst in New York 1951 veröffentlicht), Seite 916 ff.