Werkstatt: Formen der Vermittlung der NS-Zwangsarbeit und ihrer Folgen

Nachweislich 13 Millionen Menschen in Zwangsarbeit  wurden allein auf dem Gebiet des Deutschen Reiches von 1938 bis 1945 gezählt. „Jeder kannte die Zwangsarbeiter, die aus den Minderheiten der Gesellschaft rekrutiert oder ins Reich verschleppt worden waren, viele, sogar Privatleute, nutzen sie als Sklaven. In dieses“ nationalsozialistische „Verbrechen waren so gut wie alle verstrickt, deswegen wurde es erst zuletzt aufgeklärt“, wie vor elf Jahren Stephan Ripplinger zu der Wanderausstellung „Zwangsarbeit. Die Deutschen und der Krieg“ anmerkte.

Laut Mark Spoerer ist „das riesige Zwangsarbeitsprogramm, das die Deutschen vor allem ab 1942 aufbauten, in der Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ohne Beispiel. Vom Umfang her mag es ähnlich große Programme in der Sowjetunion und in China gegeben haben, doch waren deren Opfer Inländer. Die Umstände des Zwangsarbeitereinsatzes stellten eine massive Verletzung der Haager Landkriegsordnung von 1907 dar und waren daher Bestandteil der Hauptanklagepunkte in den Nürnberger Prozessen. Im Hauptverfahren von Oktober 1945 bis Oktober 1946 wurden Fritz Sauckel zum Tode und Albert Speer zu 20 Jahren Haft verurteilt.“[1]

Die in den 1980er Jahren entstandene Charakterisierung „Vernichtung durch Arbeit“ erfasst dieses nationalsozialistische Verbrechen nicht ausreichend. Es starben 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene an Zwangsarbeit und damit einhergehenden Exekutionen. Die Zahl der jüdischen Menschen, die bei der Zwangsarbeit starben, geht in die Millionen. Doch Mord war nicht immer das erste Gebot für diejenigen, die vor allem die deutsche Rüstungsproduktion in Gang halten sollten. Ihr Tod wurde immer in Kauf genommen.

Als Anfang des Jahrhunderts die Debatte zur Entschädigung der Opfer der nationalsozialistischen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter zur Bereitstellung fünf Milliarden Euro führte, lebten noch 2,7 Millionen von den 13 Millionen, die im Deutschen Reich, und nur diesen wurde ein Anspruch eingeräumt, Zwangsarbeit geleistet hatten. Ihre weitgehend unbezahlt gebliebene Arbeit half der deutschen Industrie, „ihre Ressourcen und damit letztlich ihr Machtpotential“ in die neu entstehende Bundesrepublik Deutschland zu retten.[2] „Auch der sowjetische Sektor, die spätere DDR, verfügte trotz Bombardierungen und Demontagen über eine ausgesprochen gute Industriebasis, zumal ein gewichtiger Teil der Investitionen bis 1945 in diese Region geflossen waren.“[3]

Sowohl in der Forschung als auch in der Jugend- und Erwachsenenbildung hat leider in den vergangenen Jahren die Vermittlung über das nationalsozialistische Massenverbrechen der Zwangsarbeit an Bedeutung und Umfang verloren. Dagegen soll diese Tagung einen Impuls setzen.

[1] Mark Spoerer, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz, Stuttgart 2001, Seite 233
[2] Werner Abelshauser, Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945, München 2004, Seite 89 ff.
[3] Christian Hartz, Ökonomie und Entschädigung nationalsozialistischer Zwangsarbeit, in Sozial.Geschichte Online 15 (2015), Seite 12

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