Zerrissene Lebenswege – Tschechoslowakische Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück 1939-1945

Plachá, Pavla: Zpřetrhané životy – Československé ženy v nacistickém koncentračním táboru Ravensbrück v letech 1939-1945 [Zerrissene Lebenswege – Tschechoslowakische Frauen im Konzentrationslager Ravensbrück 1939-1945]. Pulchra – ÚSTR. Praha 2021. 496 S.

Mit ihrer Veröffentlichung liefert Pavla Plachá, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Tschechischen Institut für das Studium totalitärer Regime, einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der tschechoslowakischen Häftlingsgruppe im Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück. Ihre Arbeit beschäftigt sich mit sowohl mit den Stationen und Mechanismen der Deportation sowie der nationalen und sozialen Struktur der Gruppe, als auch mit individuellen Erfahrungen und Formen der Erinnerung. Hierbei werden nicht nur die Schicksale der inhaftierten Frauen aus dem Protektorat Böhmen und Mähren bzw. den vom Deutschen Reich einverleibten Grenzgebieten untersucht, sondern auch Frauen aus der Slowakei, Angehörige der deutschen, polnischen und anderer nationaler Minderheiten sowie auch tschechoslowakische Staatsbürgerinnen in den Blick genommen, die Opfer nationalsozialistischer Rassenverfolgung wurden. Diese Erweiterung des politisch-geografischen Rahmens ist ein wesentliches Novum in der immer noch stark von der Nachkriegsinterpretation beeinflussten Forschung zu den Tschechoslowakinnen in Ravensbrück, welche bis Ende der 80er Jahre politisch motivierten Umdeutungen unterlag und einige Häftlingskategorien vollends ignorierte. Mit der Entwicklung des offiziellen Narrativs sowie auch mit der alternativen Erzählung jener Frauen, die die Tschechoslowakei aus politischen Gründen verließen, befasst sich der erste Teil der Studie. Der zweite Teil widmet sich der Rolle von Ravensbrück als zentrales Frauenlager innerhalb des nazistischen Vernichtungssystems sowie den spezifischen weiblichen Aspekten des Lagerdaseins wie Verlust der Privatsphäre und die Verletzung des Schamgefühls, hygienische Bedingungen, Schwangerschaft und Geburt, Kinder im Lager, sexualisierte Gewalt und Prostitution sowie gleichgeschlechtliche intime Beziehungen. Im dritten Teil wird das Schicksal der inhaftierten Tschechoslowakinnen nach ethnischer Zugehörigkeit und Verfolgungsgründen betrachtet, wobei neben bereits den lang erforschten politischen Inhaftierten und den Lidicer Frauen das Augenmerk auch auf bislang weniger untersuchte Gruppen wie u.a. die wegen Wirtschaft- oder sog. Rassendelikte verfolgten Frauen oder auch auf Jüdinnen, Sintezze und Romni gerichtet wird.

Rezension: Jan-Peter Abraham

Plachá, Pavla: Zpřetrhané životy – Československé ženy v nacistickém koncentračním táboru Ravensbrück v letech 1939-1945

Die Kurt und Herma Römer Stiftung bemüht sich darum, dass das Buch in deutscher Sprache erscheinen kann.