Gedenkort Neubrandenburg „Trauernde“

Die Förderung regionalen Gedenkens an die nationalsozialistischen Verbrechen, eine Aufgabe der Stiftung, führte im April 2015 zur Einweihung des neuen Gedenkorts Trauernde im Zentrum der Stadt Neubrandenburg.

Sich zu erinnern, dafür ist es nie zu spät, diesem Grundsatz folgend, wurden im Osten Mecklenburg-Vorpommerns zahlreiche Städte und Gemeinden seit Jahren einer wirksamen Gedenkpolitik an die Verbrechen des Nationalsozialismus gerecht.

Dabei wurde in der Stadt Neubrandenburg mit einem symbolischen Platz für die 1938 zerstörte Synagoge und einem historischen Lehrpfad „Spurensuche – Orte der Gewalt“ viel geleistet. Hinzu kam dort im September 2013 ein neues Regionalmuseum im ehemaligen Franziskanerkloster, dessen umfassender Ansatz als vorbildlich gilt.

Der neue Gedenkort bezieht sich auf das Opfer von mehr als 6.000 Häftlingen des Konzentrationslagers Ravensbrück, die in den beiden Aussenlagern des KZ Ravensbrück von 1942 bis 1945 als Zwangsarbeiterinnen Maschinenwaffen, Granaten, Flugantriebstechnik und Abwurfvorrichtungen für die deutschen Heinkel – Bomber herstellen mussten.

Diese Frauen kamen aus fast allen von der Deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten Europas. Die meisten kamen aus Polen und Frankreich sowie aus der ehemaligen Sowjetunion, vor allem dem Gebiet der heutigen Ukraine, aber auch aus Belgien, den Niederlanden, Österreich, Italien, Jugoslawien, der Slowakei, Tschechien, der Schweiz, Ungarn und Slowenien. Weiterführende ist empfehlenswert unseren Beitrag „Das KZ Ravensbrük und seine Aussenlager“ zu lesen.

Schriftplatte zur Plastik Trauernde
Schriftplatte zur Plastik „Trauernde“

Über den Fürstenberger Förderverein Ravensbrück und die Hamburger Kurt und Herma Römer Stiftung bestehen seit vielen Jahren Kontakte zu überlebenden Häftlingen durch die humanitär geleistete Unterstützung und durch gewachsene persönliche Freundschaften, vor allem auch zu Überlebenden auf der Krim.

Aus dem Kreis der Überlebenden, die seit vielen Jahren zum Tag der Befreiung nach Ravensbrück anreisen, kam die Anregung für einen innerstädtischen Gedenkort, weil die NS-Tatorte der Zwangsarbeit zwar gut dokumentiert und gekennzeichnet, aber schlecht erreichbar sind.

Zunächst war an eine Stele in der Nähe des „Waldbau“-Geländes, das einige Kilometer südlich von Neubrandenburg in Resten noch erkennbar ist, gedacht. Durch Zufall kamen einige Überlebende in Berührung mit einer Kunstskulptur („Trauernde“), die der Bildhauer Wolfgang Friedrich aus Rostock geschaffen hatte. Es war die Idee geboren, diese Figur „wachsen zu lassen“ (Wolfgang Friedrich) und als Medium der Erinnerung zu entwickeln.

Vor Ort ergriff der Demokratische Frauenbund e.V. Kreisverband Neubrandenburg/ Mecklenburg-Strelitz die zivilgesellschaftliche Initiative. Spenden von Menschen und Unternehmen aus der Region kamen zusammen. Die Kurt und Herma Römer Stiftung übernahm die zeitweilige Trägerschaft des Gedenkortes, der 2018 der Stadt Neubrandenburg übergeben werden soll.

Zum 70. Jahrestag der Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück am 17. April 2015 erlebten knapp fünfzig überlebende KZ-Häftlinge die Enthüllung der Skulptur. Ihnen wurde damit etwas ihrer persönlichen Würde zurückgegeben und der ihnen zustehenden Respekt gezollt.