Verhinderte Impulse zur Geschichte der NS-Zwangsarbeit und ihrer Wirkung nach 1948

Ende Mai 2020 sollte der Workshop „Formen der Vermittlung der NS-Zwangsarbeit und ihrer Folgen“  stattfinden, den die KZ-Gedenkstätte Neuengamme und die Kurt und Herma Römer Stiftung gemeinsam geplant und organisiert hatten. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen durch die Corona-Pandemie wurde der Workshop im Studienzentrum der KZ-Gedenkstätte Neuengamme auf den 20.05/21.05.2021 verschoben. Die Forschungsergebnisse und Impulsbeiträge, die im Zentrum des Erfahrungsaustausches stehen sollten bzw. werden, können der ursprünglichen Einladung inklusive Programm entnommen werden.

Die Zwangsarbeit war ein zentraler Bestandteil der NS-Herrschaft auch in den von der Wehrmacht überfallenen und besetzten Gebieten. Der ab Kriegsbeginn 1939 erfolgte millionenhafte Einsatz von Zwangsarbeitskräften ermöglichte dem NS-Regime sowohl die Aufrechterhaltung der nationalen Wirtschaftsleistung als auch die Ausweitung der Rüstungsindustrie bei gleichzeitigem Abzug von Arbeitskräften als Soldaten für den Krieg. Ökonomisch gesehen war die nationalistische Zwangsarbeit ein erheblicher Faktor, der zur schnellen Gesundung der gesellschaftlichen Reproduktion nach Kriegsende, dem sogenannten deutschen Wirtschaftswunder, beitrug.

Der Geschichtsdidaktik kommt immer größere Bedeutung zu, weil der Kreis der Überlebenden altersbedingt immer kleiner wird. Ein Modell stellt das Projekt „überLAGERt – lokale Jugendgeschichtsarbeit an Orten ehemaliger KZ-Außenlager in Brandenburg“ dar.

Fehlen die sichtbaren baulichen Überreste der Gewaltorte, ob nun überbaut oder nicht zugänglich, wie zum Beispiel in Neubrandenburg, ist die lokale pädagogische Arbeit anderen Herausforderungen ausgesetzt als jenen in den etablierten KZ-Gedenkstätten. Viele Jugendliche nehmen heute fiktionale Darstellungen des NS-Terrors in Film und Fernsehen für die historische Wahrheit und Gedenkstätten oft als Erlebnisort, ein „Theater des Grauens“; dabei vermissen sie manchmal den „Gruselfaktor“. Die Pädagogin Ulrike Maschner setzt dem eine bespielgebende geschichtsdidaktische Arbeitsmappe für die schulische und außerschulische Bildung entgegen. Das Material „Zwei Außenlager des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück in Neubrandenburg“ zielt auf  die Entwicklung des Geschichtsbewusstseins junger Menschen über das Verstehen und Bearbeiten des NS-Terrors am ehemaligen Leidensort Neubrandenburg und fokussiert auf die Perspektive der weiblichen KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiterinnen.

Neuere Forschungsergebnisse, die das Zusammenspiel zwischen wirtschaftlichen Interessen und der nazistischen Ideologie und Politik aufschlüsseln, zeigen die Arbeiten von Magnus Brechtken über Albert Speer, sowie Roman Fröhlich über die Heinkel-Werke in Rostock.